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Bundeswehr will trotz Baustelle nukleare Teilhabe garantieren


Büchel (dts) – Trotz der Komplettsanierung des Fliegerhorsts Büchel, wo die einzigen US-Atombomben in Deutschland lagern, will die Bundeswehr den möglichen Einsatz von Nuklearwaffen im Ernstfall weiterhin zu jeder Zeit garantieren. „Der Auftrag der nuklearen Teilhabe wird rund um die Uhr sichergestellt, das ist essenziell für die Abschreckungsstrategie der Nato“, sagte der Kommandeur des in Büchel stationierten Taktischen Luftwaffengeschwaders 33, Oberstleutnant Samuel Mbassa, der „Süddeutschen Zeitung“.

„Das ist nicht verhandelbar, das muss funktionieren“, ergänzte er. Die Bundeswehr bestätigt die Existenz der Waffen in Büchel nicht offiziell – aber durch mehrere Enthüllungen, unter anderem der Plattform Wikileaks, ist dies publik geworden, demnach soll es um 20 Nuklearsprengköpfe gehen, die dort lagern.

Das Prinzip der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass im Kriegsfall Bundeswehr-Piloten die US-Bomben von Büchel aus ins Ziel fliegen und abwerfen. Da die Start- und Landebahn derzeit aufgerissen ist, werden nun Rollflächen als Behelfspiste genutzt. Die bisher im Rahmen der nuklearen Teilhabe genutzten Tornados müssen aus Altersgründen ersetzt werden, die Bundeswehr kauft dafür 35 F-35-Kampfjets aus den USA. Sie werden alle in Büchel stationiert.

Für deren ab 2027 in Büchel geplanten Einsatz muss vieles neu gebaut werden. Es ist das größte und teuerste Projekt der Bundeswehr derzeit. Statt in acht Jahren soll in vier Jahren eine neue Start- und Landebahn entstehen, ebenso neue Hangars und ein Kontrollzentrum für die Stationierung von 35 F-35A Kampfjets. Mit über zehn Milliarden Gesamtkosten ist es das größte Einzelprojekt aus dem 100 Milliarden-Sondervermögen der Bundeswehr.

Gerade erst hat das Finanzministerium den Bundestags-Haushaltsausschuss um die Bewilligung von zusätzlichen 506 Millionen Euro gebeten, da ein starker Kostenanstieg auf bis zu 1,2 Milliarden Euro für die Errichtung der Kerninfrastruktur für die F-35A in Büchel zu erwarten ist, den sogenannten F-35-Campus. Das geht aus einer Vorlage des Ministeriums für eine außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung hervor, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Das Vorhaben wurde vor wenigen Tagen vom Ausschuss gebilligt. „Was das Projekt so einzigartig macht, ist das Zeitfenster. Gemeinsam fahren wir hier gerade auf der Überholspur“, sagte Mbassa der SZ.

In Büchel sollen 20 Atombomben des Typs B-61 in unterirdischen Bunkern liegen, streng bewacht. Eine offizielle Bestätigung hierzu gibt es nicht. Ziel des F-35-Kaufs ist es aber auch, durch eine noch engere Kooperation mit den USA den atomaren Schutzschirm zur Abschreckung gegen Russland dauerhaft zu sichern, auch für den Fall, dass Donald Trump erneut US-Präsident wird.

Oberst Thomas Kullrich, F-35-Beauftragter der Luftwaffe, sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Gerade mit Blick auf die nukleare Teilhabe gibt es keine Alternative, insbesondere vor dem Hintergrund der engen Zeitlinien. Wir bekommen damit ein zukunftsweisendes Waffensystem einschließlich Bewaffnung.“ Zudem sei es ein Vorteil, die Kooperation mit den Amerikanern auszubauen. „So eng war das noch nie. Wir sagen das aus voller Überzeugung, das ist ein Push für die ganze deutsch-amerikanische Kooperation, es gibt ganz neue Arbeitsbeziehungen. Das schweißt uns ordentlich zusammen.“

Mit den Kampfflugzeugen der fünften Generation treibe man auch generell die Modernisierung der Luftwaffe voran. „Wir zeigen, was den Begriff Bündnisfähigkeit und glaubwürdige Abschreckung angeht, dass das hier wirklich gelebt wird.“ Bis 2030 werde es wahrscheinlich eine Größenordnung von 700 und mehr F-35 in Europa geben, mittlerweile 18 Nationen setzten weltweit darauf, darunter zwölf Nato-Nationen.

Die Flugzeuge seien universell einsetzbar. „Wenn Sie gegen eine komplexe Luftverteidigung, gegen mehrere Schichten von Luftverteidigungssystemen mit Flugabwehrraketen mit kurzer, bis hoher Reichweite mit Radar und Abdeckung über dem gegnerischen Gebiet arbeiten müssen, dann ist die F-35 die einzige Antwort“, so Kullrich.

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Foto: Bundeswehr-Soldat (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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